Hitlers hässlicher Parkplatz

Stefan von Bergen schaut in die Vergangenheit, um heute besser durchzublicken.

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Vor 31 Jahren wurde Schwedens Ministerpräsident Olof Palme nach einem Kinobesuch auf offener Strasse ermordet. Ich gebe zu: 31 Jahre sind kein rundes Jubiläum. Und ich habe nichts beizutragen zur ungeklärten Frage, wer den weltweit geachteten schwedischen Premier umgebracht hat. Es geht mir um etwas anderes. Ich habe am Tatort in Stockholms Innenstadt begriffen, dass sich das Vergangene nicht wiederbeleben lässt.

Ich pilgere gern zu historischen Schauplätzen. Als ich in den Sommerferien Stockholm besuchte, wollte ich sehen, wo Palme erschossen worden ist. Mit meiner Frau marschierte ich den Sveavägen auf und ab und suchte nach irgendeinem Hinweis. «Was suchst du eigentlich?», fragte sie. «Hier ist etwas Wichtiges passiert», erwiderte ich. Endlich fanden wir am Boden eine Gedenktafel, die den exakten Ort des Dramas markierte.

«Was siehst du jetzt hier?», fragte sie in der trostlosen Einkaufspassage. Menschen hetzten im Regen und in der Rushhour achtlos über die Gedenkplatte hinweg. Meine Frau hatte recht: Man sah nichts an diesem austauschbaren Ort, er war trostlos und bedeutungsleer.

Bei meinem letzten Besuch in Berlin habe ich realisiert, dass man sogar aktiv dafür sorgen kann, dass ein früherer Schauplatz möglichst unansehnlich bleibt. Ich suchte den Ort, wo Adolf Hitler vor 72 Jahren im unterirdischen Führerbunker seinem Leben eine Ende gesetzt hat. 40 Jahre lang konnte man da gar nicht hin, weil der Standort des gesprengten Bunkers im scharf bewachten Berliner Mauerstreifen lag. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde am früheren Standort ein ausgesprochen hässlicher Parkplatz angelegt.

Erst seit kurzem steht dort immerhin eine Informations­tafel. Man muss aber richtig viel lesen und eine komplizierte Grafik des ganzen Bunkerkomplexes studieren, bis man darauf Hitlers Betonverliess entdeckt. Auf der Teerfläche des Parkplatzes kann man es nicht lokalisieren. Von Hitlers letztem Ort soll man nichts sehen.

Ich finde das gut. Auch wenn meine Neugier auf historische Schauplätze unerfüllt bleibt. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.07.2017, 13:01 Uhr

Politik, Geschichte, Provinz und Grenzen: Darum geht es in den «Echt jetzt?»-Kolumnen von Peter Meier, Stefan von Bergen, Gregor Poletti, Andreas Saurer und Lucie Machac.

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