Der ganz normale Wahnsinn

Sportredaktor Marco Oppliger über den Transferwahnsinn in der NHL.

Matt Duchene spielte mit den Colorado Avalanches in New York, als er während des ersten Drittels erfuhr, dass er soeben in einem Spielertausch an Ottawa abgegeben wurde. (Archivbild)

Matt Duchene spielte mit den Colorado Avalanches in New York, als er während des ersten Drittels erfuhr, dass er soeben in einem Spielertausch an Ottawa abgegeben wurde. (Archivbild) Bild: Keystone

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Man stelle sich folgende Begebenheit einmal vor: Gerade hat Andrew Ebbett seinen ersten Einsatz gegen Zug absolviert. Der SCB-Topskorer nimmt auf der Bank Platz, um kurz zu verschnaufen. Plötzlich sieht er, wie Alex Chatelain von der Tribüne hinuntersteigt und auf ihn zukommt. Der Berner Sportchef bittet den Kanadier in die Garderobe, eröffnet ihm dort, er sei soeben an Lugano verkauft ­worden.

Ebbett bleibt nur wenig Zeit, zu duschen und sich anzuziehen, denn vor dem Stadion wartet schon ein Auto, das ihn noch an diesem Abend ins Tessin fahren wird. Verrückt, werden Sie denken, schliesslich tönt ­diese Geschichte ganz und gar absurd. Für Schweizer Verhältnisse mag das stimmen.

Doch am Sonntag passierte genau dies Matt Duchene. Der Center spielte mit Colorado in New York, als er während des ersten Drittels erfuhr, dass er soeben in einem Spielertausch an Ottawa abgegeben wurde. Er war Teil eines Dreieck-Trade, an dem auch Roman Josis Nashville Predators beteiligt waren. Noch am selben Abend flog Duchene in die kanadische Hauptstadt.

Was in der Schweiz wegen des strengen Arbeitsrechts undenkbar wäre, ist in Nordamerika «part of the business». Das ist Menschenhandel, doch die gut ­bezahlten Profis sind daran ­gewöhnt. Und weil Duchene ­bereits seit längerem mit einem Wechsel kokettiert hatte, zeigte er sich nicht einmal sonderlich überrascht. «Es war schon sehr seltsam, aber irgendwie auch zu erwarten», hielt er fest. «Natürlich bin ich erleichtert, dass es nun vorbei ist.»

Am Freitag wird der Kanadier erstmals für Ottawa auflaufen, im Rahmen der NHL Global Series in Stockholm auf . . . Colorado treffen. «Es ist verrückt», meinte Duchene. Damit trifft er den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. (Berner Zeitung)

Erstellt: 09.11.2017, 10:59 Uhr

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