Lagerkoller? Kindergeburtstag!

Winterpause bedeutet Zeit für Trainingslager, heute wie früher. Einige Anekdoten.

Ewald Lienen, der frühere Bundesliga-Trainer von Hansa Rostock, Köln, Mönchengladbach oder Hannover, war bekannt für seine Notizzettel.

Ewald Lienen, der frühere Bundesliga-Trainer von Hansa Rostock, Köln, Mönchengladbach oder Hannover, war bekannt für seine Notizzettel. Bild: Keystone

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Lagerkoller? Kennt der legendäre deutsche Trainer Ewald Lienen – Spitzname «Zettel-Ewald» – nicht. Nach einem zehntägigen Trainingslager mit St. Pauli sagte er einst: «Für mich fängt ein Trainingslager bei zwei Wochen an. Das hier war ein Kindergeburtstag. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich von zu Hause weg war.» Vielleicht lag es an der grossartigen Unterkunft, dem «Karl-Heinz Riedle Aktiv- und Tagungshotel Evviva» in Oberstaufen (das gibt es tatsächlich: 4,5 von 5 Punkten auf Tripadvisor).

Franz Beckenbauer hingegen war der Lagerkoller stets ein Graus. 1974 hatte sich der damalige Libero der Nation aus dem deutschen WM-Vorbereitungscamp raus- und wieder reingeschlichen. Angeblich habe er ein amouröses Abenteuer mit der Schlagersängerin Heidi Brühl auf dem Zettel gehabt. Darüber äusserte sich der Kaiser nie, sonst aber liess Beckenbauer keine Gelegenheit aus, seinen Senf dazuzugeben.

Über Otto Rehagel – von dem die Weisheit stammt: «Ich schätze es, wenn Fussballer verheiratet sind, denn die eigene Frau ist das beste Trainingslager» – sagte der Kaiser mal: «Der Rehhagel ist ein erstklassiger Trainer – zumindest in der zweiten Liga.» Und zur umstrittenen WM-Vergabe nach Katar meinte Beckenbauer, er hätte dort noch nie einen Sklaven gesehen. Womöglich hatte er zuvor etwas gar viel von der arabischen Sonne erwischt.

Sein Herzensklub, die Bayern, bereiteten sich übrigens auch heuer im Emirat auf die Rückrunde vor. «Dort sind die Temperaturen angenehm, und der Rasen wird mit der Nagelschere gepflegt», rechtfertigte sich Präsident Uli Hoeness vor einem Jahr beim Alpensymposium in Interlaken.

Von einem solchen Rasen konnten die Spieler vom FC Sion zum Start der Wintervorbereitung nur träumen: Nach dem WK vor dem Cupfinal letzten Mai kommandierte Präsident Christian Constantin seine Belegschaft diesmal in ein Militärcamp nach Montpellier ab. Ist er etwa heimliches Mitglied der Gruppe Giardino? Sein Trainer Gabri sagte danach dem «Blick»: «Es hätte für mein Empfinden durchaus ein bisschen weniger hart sein können.»

Ewald Lienen hätte dies nie mitgemacht. Er ist selbst erklärter Pazifist. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.01.2018, 11:04 Uhr

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