Das Himalaja-Drama holt die Trekking-Welt ein

41 Tote am Annapurna betrauert die Alpinisten-Gemeinschaft. Nun greift Nepal bei den Bergabenteurern durch.

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400 Wanderer, Bergführer und Träger wurden letzte Woche in der Annapurna-Region im Norden von Nepal von einem Schneesturm überrascht und eingekesselt. Mindestens 41 Personen sind gestorben. 21 davon waren ausländische Touristen, 20 davon nepalesische Bergführer, Träger und Dorfbewohner. Das Unglück löste weltweit grosse Bestürzung, aber auch Verunsicherung aus. Denn der Annapurna-Treck ist einer der beliebtesten Langstreckentrecks und gilt als ungefährlich.

Nachdem die Suchoperation am Montag abgeschlossen wurde, werden in den Medien Fragen nach der Verantwortung lauter. «Welche Sicherheitsregeln gelten in Nepal für die Trekker?», fragte zum Beispiel der britische Radiosender BBC seinen Nepal-Korrespondenten Phanindra Dahal. Oder: «Welche Notfallinfrastruktur steht auf dem Treck zur Verfügung?» Die gesamte Route sei mangelhaft ausgerüstet, sagte Dahal. Die Behörden in der Anapurna-Region hätten nicht die nötige Ausrüstung, um präzise Wettervorhersagen zu machen. Zudem gäbe es während des Trecks weder Telefon- noch Internetverbindung. Auch seien viele Bergführer nur mangelhaft ausgerüstet, und es gebe auf der Strecke keine Unterstände.

Angst vor Imageschaden

Die nepalesische Regierung befürchte nun, dass das Unglück dem Himalaja-Tourismus einen schweren Imageschaden zugefügt habe, so Dahal weiter. Der Vorfall ereignete sich mitten in der Hochsaison, und mit dem Unwetter hatte niemand gerechnet. Damit sich ein solches Unglück nicht wiederholt, werden nun Massnahmen ergriffen. Dies gab die Regierung gestern bekannt.

Tulasi Gautam vom Tourismusdepartement informierte am Dienstag in Kathmandu. Man wolle die Route besser überwachen. Bergsteiger dürften nur noch mit einem ausgebildeten, lokalen Führer trekken. Zudem müssen sie ein GPS-Gerät mitbringen oder vor Ort mieten, sodass sie im Notfall georten werden können. «Einer der Hauptgründe für die hohe Opferzahl war, dass Trekker ohne ausgebildeten Guide trotz Wetterumbruch den Treck fortsetzten und versuchten, dem Sturm davonzulaufen», sagt Gautam. Gerade den Annapurna-Treck hätten bislang viele Individualtouristen ohne einen lokalen Bergführer begangen. «Deshalb werden wir die neue Vorschrift ‹Kein Trekking ohne Guide› konsequent durchsetzen.» Die neuen Regeln sollen auf Beginn der nächsten Saison im Frühling in Kraft treten.

Die Regierung sagte weiter, dass sich in Zukunft alle Trekker, in- und ausländische, bei Checkpoints registrieren müssen, und zwar wenn sie das Trekkinggebiet betreten und auch wenn sie es wieder verlassen. Bislang mussten sich ausländische Trekker zwar registrieren und eine «Wildnis-Erlaubnis» einholen. Nepalesen mussten sich nicht registrieren. Und niemand musste vermelden, dass er den Treck wieder verlassen habe.

Die Regierung will das Trekkinggebiet nicht nur besser überwachen, sondern auch die Infrastruktur verbessern: Das Wettervorhersagesystem und die Kommunikation mit den entlegenen Trekkingrouten sollen verbessert werden. BBC-Korrespondent Dahal berichtete zudem, dass entlang der Route sichere Unterstände gebaut werden sollen. Dort können Wanderer bei einem Sturm Zuflucht finden und sich vor Wind und Schnee besser schützen. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 23.10.2014, 12:26 Uhr

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